Hallo zusammen,
normalerweise beteilige ich mich an solchen Threads nicht, aber hier mache ich mal eine Ausnahme.
Ich habe bei der Übernahme von JTL durch HG Capital schon befürchtet, dass dies nicht unbedingt "zum Vorteil" von uns Kunden gereichen wird.
Und das hat weder etwas mit JTL, noch mit HG Capital direkt zu tun, sondern ist einfach das klassische Szenario, dass in der heutigen Zeit "Investoren" andere "Prioritäten" haben, als die, die eigentlich im Sinne des Unternehmens und seiner Kunden wären. Sprich einem "Investor" geht es in erster Linie um möglichst schnelle Gewinne und ROI. Diese lassen sich (fast) immer generieren, allerdings i.d.R. nur zu Lasten des Unternehmens und seiner Kunden.
Die Einführung der Editionen und die Preiserhöhungen zeichnen genau dieses Bild.
Ein weiterer Aspekt, den ich sehr kritisch sehe ist, wie die Weiterentwicklung vorangetrieben wird? Mir fehlen die nötigen Einblicke und Informationen um das wirklich fundiert im Falle von JTL und HG Capital beurteilen zu können, aber anhand dessen, was man so aus "Gerüchten", dem Forum, dem Austausch beim JTL Stammtisch etc. ableiten kann, scheint es mir so, dass man sich bei JTL (wohl auf Druck von HG Capital) mehr oder weniger ausschließlich auf das Thema CLOUD und webbasierte Anwendung konzentriert. Allerdings scheinen die "Fortschritte" in dem Bereich langsamer zu sein, als der Investor sich das gewünscht/ vorgestellt hat. Mir persönlich (aus unserem konkreten Anwendungsfall von JTL) stellt sich auch die Frage nach dem "Nutzen" für die breite Masse der Bestandskunden? Wir bspw. sind gar nicht an einer "Cloud-Lösung" interessiert - im Gegenteil. Diese einseitige Konzentrierung der Weiterentwicklung auf einen Bereich führt dann aber wiederum dazu, dass bspw. in anderen Bereichen andere Anbieter (Drittanbieter) die entstehenden Lücken füllen. Bestes Beispiel aus meiner Sicht sind die verschiedenen Marktplatzanbindungen/ -schnittstellen. Es ist doch schon ein Armutszeugnis, dass eine kleine Softwarefirma mehr und schneller die Anbindungen bereitstellen kann, als JTL!
Die "typische" (Investor) Reaktion ist dann sich einfach diese (kleineren) Firmen ebenfalls einzuverleiben. Leider führt das aber dann auch oft dazu, dass der "Innovations-Fortschritt und Gedanke" bei diesen Firmen oft stark nachlässt.
Für den Investor hat das wiederum (zumindest kurz- bis mittelfristig) den Vorteil, dass man alles unter einem Dach vereint hat. Das könnte durchaus Vorteile haben/ mit sich bringen, wenn man es entsprechend miteinander "verzahnt". Aber bisher habe ich zumindest eher den Eindruck, dass es als Rechtfertigungsgrund für Preiserhöhungen genutzt wird.
Und ich kann viele (gerade der kleineren Unternehmen und Ein-Mann-Betriebe) verstehen, dass man sich da durchaus "abgezockt" vorkommt, bzw. der Kostenfaktor extrem in die Höhe getrieben wird. Auch hier sieht man bei JTL genau die Entwicklungen, die es schon bei etlichen anderen Firmen gegeben hat - man macht mal eben 3 Editionen, wobei man dabei genau darauf achtet, was die meisten Kunden in der Praxis wirklich (zwingend) brauchen, und packt diese Dinge dann entweder in die nächsthöhere Edition (mit entsprechend höherem Basispreis), oder macht sie als Zusatzoption gesondert kostenpflichtig (bspw.
WMS-Benutzer Lizenzen). Ich werde also quasi (betriebswirtschaftlich) gezwungen, u.U. eine Edition zu buchen, deren Funktionsumfang ich zu weniger als 50% nutze.
Es gäbe ja durchaus auch andere mögliche Modelle, wie z.B., dass man sich sein "Paket" (aus Modulen/ Bausteinen) individuell zusammenstellen könnte. Aber das würde den Ertrag für JTL vermutlich mindern.
Für mich ist die alles entscheidende Frage die, ob HG Capital JTL kaputt wirtschaftet, oder ob man wirklich an einem wirklichen Fortbestand des Unternehmens interessiert ist?
Leider zeigen viel andere Beispiele aus der Vergangenheit, dass wenn erst mal ein "Investor" das Unternehmen übernommen hat, dies der "Anfang vom Ende" war.
Und meines Erachtens nach hat man sich mit Konzentration auf die Cloud-Geschichte entwicklungstechnisch "verrannt". Hier wird die Frage sein, ob man stur daran festhält (nach dem Motto "koste es, was es wolle"), oder ob man sich die "Fehlentscheidung" eingesteht und die nötigen Konsequenzen daraus zieht?
Auch hier befürchte ich eher die negative Entwicklung, denn da sind wir bei den Punkten "Management" und "strategische Planung", die maßgeblich von den jeweiligen Personen/ Entscheidern abhängen.
Mit anderen Worten sehe ich JTL als "Opfer" unseres Wirtschaftssystem, was sich leider immer mehr ausschließlich auf kurzfristige Gewinnerzielung, als auf langfristige Weiterentwicklung und Anpassung konzentriert.
Daran werden wir aber bedauerlicherweise nichts ändern können. Denn wenn ich mal wild phantasieren darf, dann sähe ich eine "brauchbare Alternative" nur darin, wenn JTL ähnlich einer Genossenschaft uns Kunden gehören würde. Denn nur so könnte wenn überhaupt gewährleistet werden, dass sich die Unternehmensziele auf etwas anderes als die Gewinnmaximierung konzentrieren würden.
In diesem Sinne,
viele Grüße
Gunther