Neu Versanderweiterung in EU- Länder - Was wird vergessen?

goldbrokat.eu

Aktives Mitglied
9. Juli 2021
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Hallo ihr!

Nehmen wir mal an, eine Firma betreibt einen kleinen Onlineshop mit Versand nach Deutschland. Nicht sonderlich erfolgreich, aber es kommt doch ein bisschen was rein. Für die 9 Kilo Papier und 2 Kilo Folie die diese Firma im Jahr als Versandmittel verbraucht kauft sie brav über einen Dienstleister Duales System Rechte und trägt diese beim LUCID ein. Soweit so gut.

Jetzt sollen die textilen Produkte nicht mehr nur nach Deutschland verkauft werden sondern möglicherweise EU-weit.

Was gibt es da zu bedenken oder wird gerne mal vergessen? Hat jemand vielleicht eine Literaturempfehlung oder sogar ein kompaktes Werk?

Eine lose Liste mir Dingen die mir jetzt schon aufgefallen sind über die man stolpern kann:

- Außengebiete (zB. Kanarische Inseln) die deutlich höheren Versand kosten und in manchen Fällen auch Drittländer sind obwohl sie unter andere Länder fallen
- Unterschiedliche steuerliche Einstufungen für Produkte (Produkt A hat ermäßigten Steuersatz in Land B und normalen Steuersatz in Land C)
- Unterschiedliche Abfallrichtlinien. Wenn ich es richtig verstehe soll die PPWR die ganzen Vorgaben vereinheitlichen und nicht mehr so ein ausgefranstes System hinterlassen - aber so richtig verstehe ich die noch nicht nicht. Hat hier jemand einen gut verständlichen Link? Mir ist schon nicht klar welche Rolle wann erfüllt ist, da diese Firma nicht nur vertreibt sondern auch der Erzeuger der Produkte ist.

Ich hab da mit Sicherheit noch einiges vergessen. Worüber seid ihr gestolpert? Oder sagt ihr "Alles nicht so wild, mach erstmal"?

Ich freue mich auf eure Meinungen, Erfahrungen und den Austausch

Christian
 

Morimus

Sehr aktives Mitglied
16. Mai 2019
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Moin Christian,
da gibt es noch so einige Punkte, die dir im Laufe des Betriebs auffallen werden.

Was mir gerade noch einfällt, wäre OSS.
Das hängt unter anderem von deinen Umsätzen und den Fähigkeiten der Person ab, die deine Steuern macht.

Aber wie gesagt, es gibt da ganz bestimmt noch den einen oder anderen Fall, den du bisher vielleicht noch nicht berücksichtigt hast.
Vielleicht prüfst du auch, ob du technisch dafür aufgestellt bist, mit der Wawi international zu versenden.

Folgende Punkte würde ich mich fragen:
Wohin versende ich?
Welchen Versanddienstleister nutze ich?
Wie gut ist dieser in der Wawi integriert?
Paperless Invoice oder Rechnung drucken, beilegen und dafür 10 Euro mehr Handling zahlen?
Der Kunde kauft viel, der Warenwert übersteigt 1.000 Euro. Wer macht den Zoll?
Gestellung am Amtsplatz oder fährst du dann selbst zum Zoll?
Unter welcher TARIC laufen meine Produkte eigentlich?
Ups, das ist ja ein Hemd aus Gewirken oder Gestricken aus Spinnstoffen. Einfuhr oder Ausfuhr nur nach Kontrolle erlaubt. Andere Bescheinigungen: Vorlage der erforderlichen CITES-Bescheinigung, Codierung/Schlüssel C400.
Der Kunde meldet sich, das Paket ist in UK, wird aber vom Zoll aufgehalten, weil die Warentarifnummer nicht auf deinen Rechnungen gedruckt wurde.
Oh, und natürlich weist du deine zukünftigen ausländischen Geschäftspartner auf die No-Russia-Klausel in deinen AGB hin und forderst deren Einhaltung sowie Kontrolle ein.

Entschuldige bitte die etwas rohe und ungefilterte Art meiner Antwort.
Meld dich gerne, wenn du Fragen hast!
 
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Reaktionen: goldbrokat.eu

goldbrokat.eu

Aktives Mitglied
9. Juli 2021
40
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Hey Morimus,

genau solche Antworten suche ich - gerne auch vorn Koffer gekackt wie man im Ruhrpott zu sagen pflegte. Außerdem ist die doch sehr strukturiert :)

OSS: Wir hatten gestern einen Termin beim Steuerberater. OSS ist einer der Punkte wo ich mir weniger Sorgen drum mache. Sind da ganz gut unterstützt, auch wenn er stand jetzt die Durchführung bei uns lassen würde. So ein Hexenwerk ist es wohl nicht und die Daten aus der WaWi kommen mittels Ameise und PowerQuery in Excel schon brauchbar raus.

Drittländer sind derzeit nicht geplant groß aufzunehmen - außer wir kommen auf die Idee doch die Schweiz mit rein zu nehmen. Dann würden wir manuellen Versand über UPS machen, die machen dann den Rest (Zollkram geht bei denen sehr komfortabel) bzw. ABD Anforderung machen wir über unseren jetzigen Dienstleister. Wir starten ja nicht bei Null, nur eben nicht Online - und 98% B2B.

Wohin versende ich: Tja, gute Frage. Das kommt eben auf die Hürden in den Ländern an. Wenn ich einen oder zwei Versendungen nach Frankreich mache will ich mich nicht an deren LUCID registrieren, wie auch immer das heißt. Daher versuche ich ja gerade rauszufinden, welches Land die Latte wie hoch hängt, wie ich drum rum komme oder ob ich ganz Stumpf auf PPWR warte, hoffe, dass das alles besser macht und bis dahin nur in DE meinen Shop aufbaue...

Versanddienstleister: DPD, GLS, UPS. Habe ein bisschen ausgewertet, nach Ländern der EU geschaut und eine Vergleichsmatrix aufgezogen. Das ließe sich aus meiner Sicht ganz gut in der WaWi und Shop abbilden und die sind ja auch funktionierend integriert.

Aktuell machen wir zweigleisig: Mailrechnung und eine ans Paket, da wollen wir aber mittelfristig von weg - wenn der Kunde eine Mailadresse für die Rechnung hat soll keine aus dem Drucker kommen bzw. nur noch die fürs "Der Steuerberater und wir haben einen Hackerangriff"-Papierrechnung.

Zoll: Bisher haben wir uns das Paket geschnappt und sind zum Zollamt - macht keinen Spaß aber ist zumindest beim derzeitigen Aufkommen machbar. Und wäre ja wieder das Thema Drittland, bei EU nicht so interessant.

TARIC: Ist bei uns übersichtlich. Wir machen nur Stoff, nur aus begrenzten Materialien und kommen so auf 3 TARICs. Dazu kommen noch Bänder mit einer Zusammensetzung (1 TARIC) und eventuell noch Tuchstoffe (2 TARICs). Dann noch 2 in Reserve die ich bestimmt vergessen habe ;) und dann komme wir mit <10 TARIC davon. Aber ich verstehe was du meinst.

Ganz Blauäugig gehe ich da nicht dran, auch haben wir ja schon einige Erfahrungen - Aber davor Online zu schreiben "Wir versenden nach X Y und Z" und dann so Dinge wie irgendwelche nationalen Register nicht erfüllt zu haben - uncool. :)